- Klompengruppe
Dahlener Heide 2001
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- Ralfs kleine Nachlese
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- Ganz Deutschland wurde von riesigen Musicalbühnen und Musicals überflutet.
- Ganz Deutschland ? Da war eine Stadt am Niederrhein deren Einwohner hätten auch gerne eine
- dieser Musicalbühnen mit einem tollen Musical gehabt.
- Eine Zeitlang konnte man sich hier am Musical
"Gambler" erfreuen.
- Da aber die örtlichen Politiker lieber ein 360.000.000 DM teures Stadtfenster an der Musicalstätte
- bauen wollten, wurde das bis dato recht erfolgreich aufgeführte Musical solange schlecht und bankrott
- geredet, bis es seinen Betrieb einstellen musste.
- Da ging ein allgemeines Wehklagen durch die ganze Stadt.
- Durch die ganze Stadt? Nein, da war ein kleines idyllisches Sträßchen Namens Dahlener-Heide, im
- Dorthausener Volksmund auch "Zu den Reisfeldern" genannt. das wollte sich mit der Idee überhaupt
- nicht anfreunden kein Musical mehr zu haben und es widersetzte sich erfolgreich dem Versuch, den
- Bürgern unserer Stadt seine bis dato kurze Musical Kultur zu zerstören.
- Kurzerhand entschloss Mann( Frau ) sich eigene Musicalstücke einzustudieren.
- Extra eine Musicalbühne zu bauen, konnte man sich nicht leisten, aber man hatte ja auf der
- Dorthausener Kirmes ein Festzelt zur Verfügung.
- Die Frage nach Proberäumen, stellte sich eigentlich nicht, war doch in Dorthausen und Umgebung
- Tote Hose in Sachen Räumlichkeiten für mehr als zehn Personen.
- Also wich man geschickt in die nähere Nachbarschaft nach Gerkerath aus und besetzte von Januar
- bis Juli einmal wöchentlich für drei Stunden die neu erbaute Sporthalle.
- So konnte man den Spionen der anderen Gruppen den Einblick in die Organisation einer
- Musicalaufführung entschieden erschweren und in Ruhe proben.
- Katja Nießing suchte bereits in der Vorweihnachtszeit des Vorjahres nach den passenden
- Musicals, schnitt die passenden Musikstücke professionell zusammen und heraus kam ein
- etwa 20minütiger
Potpourri aus drei verschiedenen Musicals.
- Nun ging es zum Casting ( Wannabe a Star )
- Katja und Mercedes Nießing luden jeden einzelnen vermeintlichen Darsteller zu sich nach Hause
- in die Kellerbar ( Warum in die
Ferne schweifen )führten die zuvor zusammen geschnittenen Szenen
- vor und ließen die Anwärter singen und tanzen bis sich die Kellerbalken bogen.
- Nach und Nach füllte sich das Besetzungsbuch mit vielen Illustren Namen des Dörflichen
- Showgeschäfts.
- Nach vielen langen Castingnächten stand bis auf zwei Hauptdarsteller die
Besetzungsliste fest.
- Nun musste noch der Part des Pharao ( ELVIS ) aus " Joseph " besetzt werden.
- Da der für diesen Part bereits ausgesuchte Darsteller Willi Randerath der Jury glaubhaft
- versicherte, nicht an die Wiederauferstehung verstorbener Rockstars zu glauben und sich deshalb
- auch nicht in so eine Rolle hineinversetzen könne, erinnerte sich Katja Nießing an einen jungen
- schwarzhaarigen Adonis der im Kirmesvorjahr behauptet hatte "ELVIS LÄV" .
- Kurzerhand rief Mercedes Nießing in Zuhause an, erklärte ihm die Sachlage und nachdem er dann
- einen kurzen Auftritt im Castingroom hatte wurde er nach Rücksprache mit den anderen Darstellern
- engagiert.
- Während der Restdarstellerdiskussion stellte sich auch noch heraus, das das weibliche Geschlecht
- einen unwiderstehlichen Reiz auf den jungen Mann aus Dorthausen ausübte, das war der Grund
- dafür, ihm den Part des Obervampirs in "Tanz der Vampire" spielen zu lassen.
- Nun musste noch eine schlanke, grazile, tänzerisch wertvolle Rolle besetzt werden, die Rolle der
- Schönen aus die "Schöne und das Biest".
- Da Werner Weyermanns bereits das Biest spielte und die anderen Darsteller bereits eine Rolle
- hatten,
musste wieder im Ausland gesucht werden.
- Nein nicht in Dorthausen Ralf hatte ja bereits zwei Rollen sondern in der Gladbacher Innenstadt wurde
- man fündig.
- Wieder konnte Katja Nießing sich über ihr gutes Gedächniss freuen, hatte sie sich doch an
- Doris Mantey, aus gemeinsamen Ballettzeiten erinnert.
- Selber in einer Stadtbekannten Tanzgruppe tätig, reizte Doris diese und weitere Rollen so sehr, das
- sie ihrer Freundin zusagte,
- Nun war die Besetzungsliste komplett.
- Viele neue und auch alte Namen des dörfliche Showbiz waren nun vertreten.
- Nun hatten wir die Darsteller, Proberäumlichkeiten und der Termin stand fest aber es fehlte noch
- etwas, na klar Kostüme.
- Möglichst Detailgetreu sollten Sie sein und natürlich passen.
- Aber auch hier gab es in der Dahlener Heide ein paar Virtuosen an der Nadel. Z. b Margret Randerath,
- Mercedes Nießing, Angelika Frohn, Gaby Kames,Irmgard und Christa Weyermanns.
- Die Damen nähten Tag und Nacht und haben viele tolle Kostüme gemacht.
- Nun konnten die Proben beginnen.
- Hier gilt natürlich als erstes mein Kompliment Katja Nießing, die trotz ihres Studiums die Zeit und die
- Ausdauer hatte aus einer Elefantenherde auf der Flucht, Schmetterlinge an einem Sommertag zu formen.
- Während hier noch Hebungen einstudiert wurden, wurde auf der anderen Seite am Timing gearbeitet.
- Nachdem Juppi Olig dem andauernden hinzufügen und ändern einzelner Parts mit den Worten "ihr tickt
- doch nicht richtig" entgegentrat, durfte er bei der Schönen und das Biest die Standuhr spielen, um das
- richtige ticken zu erlernen.
- Aus Ute Druchs anfänglichen Kauderwelsch (Playbackprobe) der einzelnen Musikstücke wurde im laufe
- der Zeit die liebliche Stimme einer Sopranistin und an ihrem Timing konnte man die Fehler auf der
- Original CD erkennen.
- Jürgen Druch bereits in den Vorjahren als Kamel zu bestaunen, bekam den Höcker abgenommen, und
- musste dafür Katja Nießing auf der Schulter stehend tragen.
- Keine Frage welcher Höcker ihm besser gefallen hat.
- Werner Weyermanns schleuderte anfangs unsere grazile "Schöne" so schwungvoll durch die
- Gegend, das wir Angst hatten unsere "Schöne" würde sich auf der Kuhweide in der Nachbarschaft
- wiederfinden.
- Doch nach einiger Zeit wären so manche Eislaufstars auf die Grazile und anmutige Hebetechnik
- neidig gewesen.
- Während ich Anfangs meine überschüssigen Kräfte darauf verwendete, bei der Rückenlage Katja
- oder Doris das Rückgrat zu brechen schwebten beide später auf meine Schultern.Drei vor, vier
- zurück, bei acht drehen, bei zehn stehen, Kleine Waage, Schultersitz, Handtuch usw. waren Anfangs
- Fremdworte im Wortschatz der Darsteller und gehören heute zur normalen Unterhaltung wie Bier und
- Wein beim Straßenfest.
- Ich persönlich habe selten soviel Spaß, gegenseitige Unterstützung und Hilfsbereitschaft gesehen, wie
- in diesen Monaten der harten Proben.
- Niemals ein böses Wort, Niemand der sich ausgegrenzt fühlte, Niemand der falsche Scham zeigte oder
- Angst davor hatte sich lächerlich zu machen, immer war irgendjemand da, der Worte der Aufmunterung
- hatte, wenn es mal nicht so klappte.
- Es war einfach eine tolle Zeit, auch für mich, der ja eigentlich im (Dorf) Entertainment groß geworden ist.
- Die Zeit des Debüts näherte sich stetig, aber zu aller erst war Generalprobe angesagt.
- Da die Kostüme bereits in der Garage von Randeraths lagerten, wurde der Garten kurzerhand zur Bühne
- umfunktioniert.
- Nach und nach fanden sich alle ein und nach kurzer Einweisung durch Katja Nießing konnte es losgehen.
- "Joseph" war angesagt Klamotten aus, Kostüm an, schminken und warten auf den Einsatz und los ging's.
- Dann wieder rein in die Garage, Kostüm aus, nächstes Kostüm an, abschminken, neu schminken und
- nächster Einsatz.
- Nach drei Wiederholungen der Kompletten Aufführung und etlichen kleinen Verbesserungen stand es fest.
- Das hat Dorthausen noch nie gesehen.
- Samstag Abend im Festzelt zu Dorthausen.
- Im Vorfeld wurde die Beleuchtung, Nebelmaschine, Vorhänge und die Kostüme bereits in der extra zum
- Equipmentlager umfunktionierten Sektbar bereitgestellt.
- Jürgen Druch und Heinz Weyermanns, hatten ihre Tourtrucks für den Transport bereitgestellt.
- 20.00 Uhr Einmarsch der Schützen ins Festzelt eine Runde Bier für die Gruppe, ich hatte allerdings keinen
- Durst vor lauter Aufregung, Wasser und Cola am Kirmessamstag, das war mir bisher noch nicht passiert.
- 20.30 Uhr Begrüßung durch den Präsidenten der Bruderschaft Wilfried Theißen und Hinweis von ihm auf die
- Mitternachtsshow der Klompengruppe Dahlener- Heide.
- "Puh" Kloß im Hals und Herzrasen, langsam aufsteigendes Unwohlsein.
- Jeder der mich anspricht, bekommt zur Antwort "Später, Später, ich muss mich konzentrieren.
- Allgemeines Unverständnis breitet sich in meiner Gruppe aus ( Klar die müssen ja nicht in zwei Stunden
- vor 300 Gästen auftreten).
- So ein Mist, jetzt habe ich auch noch vergessen was ich eigentlich für eine Rolle spiele.
- 22.00 Uhr Treffen der Darsteller am Vorplatz kurze Einweisung wer was machen sollte, kurze Hebeübungen.
- (Endlich kenne ich wieder den Grund meines Daseins) ich habe ja diesen Auftritt.
- Langsam ändert sich die gesunde Sonnenbankbräune in eine eher blässliches Lila.
- 23.00 Uhr Treffen in Umkleide, Bier und Sekt zur Beruhigung kreist durch die Darstellerreihen, der Kloß in
- meinemHals lässt das Schlucken des Gerstensaftes und des Sektes einfach nicht zu.
- Raus aus den Klamotten, rein ins Kostüm. Waren es nicht 30 Grad draußen ?.Mir ist kalt, Sehr kalt.
- Wie kann ich mich jetzt noch vor dem Auftritt drücken.( Ach ja, mein Karnickel muss noch Gassi wäre
- bestimmt eine gute Ausrede oder vielleicht sollte ich als amtierender Hauptmann ins Bett, ich muss doch
- Morgen fit sein)
- Wie aus einer Fernen Höhle höre ich die Ansage von Wilfried Theißen
- ( Sie sehen nun die Mitternachtsshow der Klompengruppe Dahlener Heide).
- Zu spät, das Karnickel muss warten und den müden Hauptmann hätte mir eh keiner abgenommen, die Musik
- geht los
- Mein Herz schlägt immer schneller, Spüre ich es überhaupt noch? Oder steht es bereits.
- Ich frage etwas unverständliches und als Antwort bekomme ich ein und "Los Raus !".
- Riesentumult im Zelt, Scheiße habe ich etwa vergessen mich anzuziehen? stehe ich nackt auf der Bühne ?
- Aber ich habe keine Zeit mich anzusehen wie automatisch bewege ich mich nach Text und Musik
- ( Super Lehrerin, Danke Katja ! )und schon ist mein Part vorbei und es geht zurück zum Umziehen.
- Ein Glück ich hatte was an:" Super, Toll gemacht usw. ein Kompliment jagt das andere, Ihr seid Klasse, denke
- ich mir und schon geht es auf zum Vampirpart
- Katja auf die Arme und los, absetzen Solopart Katja, Solopart ich, drehen, heben, absetzen zurück ins Glied nach
- vorne Schultersitz mit abschließender
kleiner Waage mit Doris, zurück, nach vorne, Handtuch ,zurück, Finale,
- Applaus, Zugabe und Ende.
- Umziehen und aufräumen und dann ein Bier bei meiner Gruppe,
- Boh eh Supergeil, toll, hat Spaß gemacht die Frauen zu tragen, ne ! Augenzwinkern von meinem Gegenüber.
- Oh Gott hat der ne Ahnung. Und warst du nervös ?
- ( Wie kommst du denn darauf sage ich ihm, ich war die Ruhe selbst.)
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- PS. Nachdem ich nun alles verdaut habe, bekomme ich die Nachricht, das auch unser
- Auftritt im Haus Dahlen am 11.11.01 die Zuschauer begeistert hat.
- Na also und ich war doch sooo nervös.
- Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, sind gewollt und entsprechen nicht dem Zufall.
- Da ich ich leider nicht alle Personen die mitgemacht haben, nennen konnte, möchte ich
- hier bereits um Absolution bitten.
- Denn alle aus diesem Team waren Suuper.
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- Ralf Storms
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